Ca. 90 Drachen am Start - scheint unmöglich - war es aber nicht!
24.5.2014 | Task 1

135 km (von Greifenburg ans Toblacher Pfannhorn an die italienische Grenze und zurück nach Greifenburg). Die Starren starten zuerst raus, wir Flexis danach. Es geht alles ziemlich zügig und der Startplatz lehrt sich schnell. Katharina und ich starten direkt hintereinander, finden den Bart sofort und schrauben uns nach oben. Das Steigen führt teilweise an den Wolken vorbei und wir müssen noch 20 min bis zur Startzeit warten. Es ist ein ziemlicher Tumult dort oben in der Luft, man muss sehr aufmerksam sein, denn alle kreisen etwas chaotisch umher. Pünktlich um 13:30 geht’s los  und wir fliegen in den 3km Startzylinder ein. Die erste Wende ist selbiger Punkt mit 400m Radius. Ich bin so konzentriert auf 2 weitere Drachen, die ein paar hundert Meter unter mir Richtung Wende fliegen, dass ich erst einmal am Zylinder vorbei heize. Plem plem. Bin natürlich damit schon wieder weit hinter dem Führungspulk, sehe aber den ganzen Flug über genug Drachen, an denen ich mich orientieren kann, wo es hoch (und runter geht). Das fetzt schon am Wettkampf fliegen. Mein bisheriger Aktionsradius in Greifenburg beschränkte sich auf die Haupt-Ridge zwischen Stromleitungen bei Anna-Schutzhaus und Radelberger Alm. Heute geht es also zum ersten Mal ins Pustertal, und vorher kurz zum Zettersfeld, um dort Höhe zu tanken. Funktioniert alles gut, nur diese ewig langen Gleitstrecken bei Talsprüngen verunsichern mich noch immer. Das Pustertal zur 2. Wende (nahe Silian) fliege ich mit ein paar Turmdrachen und fühl mich mit meiner „Motte“ (alter LaMouette topless) in guter Gesellschaft. Ich fliege im absoluten Defensiv-Modus: Immer hoch, jedes Steigen mitnehmen. Damit bin ich zwar nicht schnell, aber weit zählt auf meinem Level eben noch mehr. An der 2. Wende jubel ich: das war mehr, als ich erwartet hatte. Zurück fliege ich ganz konservativ die gleiche Strecke, diesmal schneller, weil ich weiß, wo es hoch geht und weil mich der Talwind schiebt… Fliege zusammen mit einem türkischen Combat, den ich dann entscheiden lasse, an welcher Stelle wir das Tal bei Lienz queren. Seine Entscheidung ist eine Komplett-Diagonal-Querung bis zum Annaschutzhaus – blöd, wie sich herausstellt. Ich komme natürlich mit meiner Monstergleitleistung sehr tief an der Kante und deutlich unter Grat an. Im letzten Moment saust Thomas Leuzinger unter mir durch, gemeinsam kratzen wir an der Wand und finden nichts Besseres als einen Nullschieber. Beiden reißt uns irgendwann die Geduld und wir gehen landen, ich schiebe mich noch um die Ecke direkt in die Düse. Dort steht Roman aus Slowenien am Boden, zeigt mir den Wind an (der da ja auch sehr eindeutig aus Ost kommt) und hat auch schon eine Rückholung organisiert. Da passt mein Drachen aber leider nicht mehr drauf, sodass ich dann mit Anton und Kolja aus Russland nach Hause trampe.

Im „Kärtner Arschloch“ versenkt. Kann ich jetzt also auch mitreden :) Aaaaaber immerhin mein erster Hunni! Und damit bin ich überglücklich. Während ich abbaue, sehe ich hoch über mir das weiße Einhorn queren. Knud hat das Tal über die Ausläufer der Lienzer Dolomiten gequert, und es damit ins Ziel geschafft. Thomas Lenz ebenso, eine Stunde später (6 h!). Ich war „NUR“  ein bisschen über 4 h in der Luft, bin aber auch fertig, dehydriert und sonnenverbrannt. Was für ein Tag!

Katharina hat es blöd erwischt: Das Vario ist nach dem Startzylinder nicht umgesprungen, sodass sie die Strecke ins Pustertal und zurück zwar geflogen ist, aber die genaue Position der 2. Wende nicht wusste, die sie knapp verfehlte. Doofe Technik. Auch sie war 6 h in der Luft und hat klasse gekämpft.

Wer an welchem Tag welche Wertung gewann, kann man im DHV-Bericht lesen: http://www.dhv.de/web/piloteninfos/wettbewerb-sport/drachen-szene/live-berichte/german-open-2014/news/

Da wir Berliner ohnehin noch nicht vorne mitkämpfen, lass ich diesen Part mal hier aus.

 

25.5.2014 | Task 2

Heute sollen wir schon früh am Start aufgebaut sein. Um 10:30 Uhr ist Briefing und es wird ein 107 km Task aufgestellt: Richtung Matrei, zurück zur Radlberger Alm und dann nach Greifenburg. Die Starren starten wieder zuerst bei noch etwas schwachen Bedingungen. Richtig überzeugend sieht es nicht aus, ich warte erneut bis fast zum Schluss, auch weil ich bei nicht eindeutigen Windbedingungen gerne meine Ruhe an der Rampe habe. Anfangs habe ich Schwierigkeiten, etwas zu finden, erwische dann aber doch den 5 m Bart, der mich an die Basis beamt. Der Pulk der ersten Startzeit ist weg, ich mach mich auf den Weg, versuche immer schön hoch zu bleiben. An der Gräte am Anna-Schutzhaus steht heute eine gute Wolkenstraße, die sich bis zum Zettersfeld erstreckt, sodass der Talsprung gesichert ist. Dummerweise hänge ich mich an einen Laminar, der die ersten beiden Thermiken an der Zettersfeld-Flanke auslässt und bis in die erste leeverseuchte Mulde fliegt. Da stand auch ein Bart, aber ich komme viel, viel tiefer an und muss lange basteln, ehe ich wieder über Grat bin. Matjaz kommt zum Glück um die Ecke gesaust (natürlich schon auf dem Rückweg), was mir ein bisschen mehr Mut macht, weiter zu suchen. Gefunden haben wir das Steigen dann sehr nah an den Felsen. Ich hab tatsächlich die Warnpfiffe der Murmeltiere hören können!  Die archaische Mondlandschaft dort oben ist unglaublich beeindruckend: schroffe Felsen und Schneefelder, teilweise noch hellblaues Eis.

Auf dem Rückweg von der Wende tappe ich erneut in das letzte böse Lee vor der Talquerung und falle aus allen Wolken. Ganz tief über den Baumwipfeln soare ich langsam, langsam wieder die Gräte nach oben. Ein Steinadler steigt mühelos vor mir hoch – was der kann, muss doch auch für mich möglich sein! Das hangnahe Kratzen kostet mich etliche Nerven, wie schön weit entfernt ist doch der Boden im Flachland. ENDLICH wieder oben an der Wolke, geht es mit Gegenwind zurück zum Anna-Schutzhaus, wo ich Knud auf halbem Wege treffe. Auf der Strecke bis zu den Stromleitungen ist es extrem bockig und ich hab manchmal einfach nicht mehr die Kraft, gegenzusteuern, wenn es mich in eine Zwangskurve dreht. Knud kommt dort zu tief an was ihn kombiniert mit riesigen  Abschattungen im Tal dann zum Landen zwingt.

Mein Flug zurück zur Emberger klappt zwar, aber ich gleite immer noch schlecht, fliege unkoordiniert und oft eine schlechte Linie. Manchmal würde ich mir einen erfahrenen Piloten dort oben wünschen, mit dem ich diskutieren kann, was ich als nächstes tue. Aber mir bleibt nur trial+error und abgucken. Beim Gaugen bin ich dann noch einmal tief gekommen, weiß aber zum Glück durch frühere Flüge, welche Kante man dort anfliegt. Ich bin hochkonzentriert, meine 4. Stunde Flug ist um. Sowohl dort, als auch am Stagor mach ich noch einmal Basishöhe, um die letzte Wende an der Radelberger Alm auch GANZ SICHER zu schaffen – vollkommen unnötig, wie ich auf dem Rückweg feststelle. Mit Rückenwind und 1000 m über Grund fliege ich ins Ziel und kann mein Glück nicht fassen.

Bei der Landung geben leider meine Knie nach, die schon ganz weich waren vom vielen Thermik-„Treten“.

Ich bin an dem Tag als vorletzter ins Ziel geflogen, Winfried Oswald hat es auch noch geschafft. Thomas Lenz sowieso :)

Leider gab es 2 Zwischenfälle an dem Tag: einen Fehlstart an der Rampe und einen Retterabgang: Bernd Otterpol hat es über den Stromleitungen Richtung Anna-Schutzhaus überschlagen, der Rettungshubschrauber hat ihn vom Schneefeld abgeholt, von wo aus er selber noch angerufen hat. Das Bein ist kaputt, ansonsten hat es dem Drachen mehr zugesetzt als ihm.

Ich bekomme noch im Nachhinein einen Riesen-Schreck und kann mich deshalb nicht so ganz über unsere Flachländer-Erfolge freuen. Viele berichten, die Luft sei außergewöhnlich turbulent und wettkampfuntauglich gewesen. Mir fehlt die Bergerfahrung, um sicher einschätzen zu können, was „normal-anspruchsvoll“ und was zu heftig ist.

Rest-Tage:

Es gab nur diese 2 Durchgänge, danach haben wir 3 Tage auf gutes Wetter gewartet, und sind dann nach Hause gefahren (Knud, Thomas, Line). Ursprünglich war auch die Hessische Meisterschaft geplant, aber das Alte Lager versprach besseres Streckenflug-Wetter, als die Alpen.

Nach der Siegerehrung sind wir abgezogen. Katharina und ich mussten aufs Treppchen, weil wir neben Corinna die einzigen Frauen im Wettkampf waren. Das Siegerlächeln üben wir noch :)

Die Leistungen von Knud und Thomas Lenz, die beide noch relativ neu im Wettkampffliegen sind und gut dabei waren, sollten eigentlich hier mehr hervorgehoben werden!

 

Probeflug von Line mit Konrads Combat - Gegenanflug

 

Probeflug von Line mit Konrads Combat - Endanflug

Ca. 90 Drachen am Start - scheint unmöglich - war es aber nicht!Warteschlange der Drachen am Taxistand

Na, wir warten mal noch mit dem Start....

Nach dem Regen vor dem Sonnenuntergang

Was tut man nicht alles, um seine Kinder zu bespaßen? (Thomas + Nachwuchs)

Bude von Knud und Line: Schlafanhänger, Vorzelt, Teppichboden, Wasserkocher, Tütensuppe, Instantkaffee.... was will man mehr?

Knud am Zettersfeld

Knud bei der Querung zum Weißensee

Knud at cloudbase

Knud hoch über Line

Knud im Schnee

Knud macht Yoga am Startplatz

Siegerehrung Ladies