Die DCB-Mannschaft auf der Aeros Winter Race

Auf nach Slowenien…
14 Stunden Fahrt schlauchen auch trainierte Drachenflieger. Mit 50 km/h am Berg und links vorbeirollenden Brummis schien Slowenien nicht wirklich in greifbare Nähe zu rücken. Die Ankunft hat uns versöhnt: frühlingshafte Temperaturen, blühende Mandelbäume und eine imposante Bergkulisse.

Montag und Dienstag, 12.-13.03.2012

Letzte Optimierung an der Ausrüstung

Der Tag hielt kräftigen Nordföhn bereit und war damit tabu zum Fliegen, jedenfalls für uns Flachlandpiloten. So konnte letzte Hand an Gurtzeug, Drachen und Equipement gelegt werden. Der Dienstag versprach bei schwächerem Föhn Flugwetter am Lijak. 2 Stunden Fliegen mit herrlichem Blick auf die verschneite Alpenkette und die Adria. Zwar war`s arg turbulent, und kräftezehrend, aber dafür kamen wir bis auf 2000 Meter. Landen wurde nur für mich zum Abenteuer. Nick und Caroline nahmen entspannt die Landewiese. Ich hatte mich auf den Weg nach Vipava gemacht. Nach 12 km blieb mir nur das Landen auf einer kleinen von Weinstöcken eingerahmten Wiese. Das brauch ich nicht wieder!

 

Mittwoch der erste Task, 14.03

9.oo Uhr: Treff in der Pizzeria Anja bei Budanje, der Heimat des hiesigen Fliegerclubs. 10 Uhr geht`s mit vollbeladenen Taxis nach Kovk rauf. Eine Startwiese oberhalb von Vipava, die ausreichend Platz für unsere 56 Drachen bietet. Und das ist wirklich ein eindrucksvoller Anblick – 54 “Rennmaschinen” dicht an dicht und…zwei Turmdrachen. 12.oo Uhr Briefing. 6 Wendepunkte , bei schwachem Nordföhn, und Basishöhen von 1200-1400 Meter. Ein Task mit 107 km entlang am Bergzug zwischen Plesa (Antennen), dem ersten Wendepunkt und Lijak. Da mussten wir Turmdrachenfliegerinnen erst einmal schlucken. Für mich persönlich schier unerreichbar. 13.00 Uhr ertönt das Startsignal. Die ersten Piloten drehen schnell auf und parken bis das Fenster offen ist. Für mich geht`s nach dem Start gut los, die Thermik lässt sich passabel fast bis zur vorausgesagten Basis zentrieren. Doch auf dem Weg zur Talüberquerung, scheint mir die Höhe mit Blick auf die anderen Piloten niedrig. Ich kehr um, leider eine fatale Entscheidung. Alles was ich an Höhe gewinne ist einen Augenblick später wieder zerronnen. Der Task ist für mich entschieden, mein mühsames Kreisen führt unweigerlich Richtung Landen. Caroline kämft sich mit Flachlandthermik 8 km weit, aber auch dann heißt`s zu Boden gehen. Dafür schaffen es 18 Piloten tatsächlich bis ins Ziel. Das gros der Piloten landet in der Geraden zum 2. Wendepunkt Lijak, auf der Landewiese vor der Pizzeria Anja. Gewinner des Tages wird Thomas Weissenberger (AUT) in der Zeit von 02:23:22, ganz dicht gefolgt von Christian Ciech (ITA) mit 02:23:30 und Davide Guiduccials (ITA), der als dritter ins Ziel kommt. Bester Deutscher wird Christian Zehetmair auf Platz 4.

Donnerstag der Aeros “wind” race, 15.03.2012

Bora - da bleibt nur Nase zum Hang

Der Morgen mit einer Tasse Kaffee und Blick auf die sonnenbeschienenen Berge versprach feinstes Flugwetter. Irritation kam auf der Fahrt zum Treffpunkt auf. Der plötzlich aufkommende Wind riss fast die Drachen vom Dach. Uns schwante nichts Gutes. Heute sogar 60 Drachen, die aufgebaut dem Nordwind am Startplatz Kovk trotzten. Es war kalt und windig, da blieb nur ein Spaziergang ins windgeschützte Hinterland. Briefings gab es mehrfach und mit jedem stieg oder sank je nach Pilot die Hoffnung auf einen Task. 15.30 Uhr der Task ist gecancelt. Drei mutige Piloten starten bei fast Rückenwind. Aber schon das Zuschauen macht jedenfalls mir und den meisten anderen die Entscheidung sicher, auf den Abgleiter zu verzichten.

 

Freitag, 16.03.2012

das Aeros Winter Race Frauenteam: Carole Tobler, Regina Glas, Katharina Dressel und Christine Aichner, Monique Werner, Caroline Greiser die grad nicht im Bild sind

Der Wind passt. Die Stimmung ist gut und einige der Piloten scheinen`s nicht erwarten zu können: Parrallel zu den vollbeladenen Taxis liefern sie sich ein Wettrennen um die besten Plätze. Am Startplatz läuft es angenehm entspannt. Briefing 12.00 Uhr Startplatz Kovk: Der 2. Task mit 86 km, vorausgesagter Basishöhe von 1000-1200 m, Südwestwind und Startzeit 13.30 und 13.50 Uhr. Ich starte spät und schaffe es kurz vor 14.00 Uhr in den Startzylinder. Mit Ach und Krach. Die Abflughöhe ist niedrig und schwindet nach der Talquerung auf 750 m Höhe. Das sieht nicht gut aus. Ich versuch in Hangnähe Aufwind zu finden, aber es reicht nur um mich zu halten, nicht um Höhe zu gewinnen. Dann ein bzw. mein Schlüsselerlebnis des ganzen Wettbewerbs. Unter mir fliegt ein “Rennpilot” mit dem Flügel am Grat und er steigt. “Wenn der das kann, dann ich auch!” Ich beende das Kreisen und geh ganz nah an den Hang. Nur Minuten später bin ich wieder im Rennen. Im Stillen dank ich dem mir unbekannten Piloten. Auch wenn die anderen Piloten über und unter mir vorbeiziehen, ich bleibe stur auf meiner Zielgeraden. Der letzte Wendepunkt auf der gegenüberliegenden Hügelkette fehlt noch. Kurz davor muss ich umdrehen, weiter trau ich mich bei der Höhe nicht und suche mir lieber eine sichere Landewiese. Keine schlechte Entscheidung, denn kurz darauf taucht genau dort die tschechische Pilotenriege auf und belohnt mich mit einem Landebier.

Der Tag scheint für alle gut gelaufen zu sein. Fast 40 Piloten sind im Ziel. Da geht es dann wirklich nur noch um Sekunden-Minuten-Unterschiede. Christian Ciech ist der Schnellste. Dann folgen Andrj Djamarani und Christian Zehetmair, beide aus Deutschland. Beste Frau ist Carole Tobler aus der Schweiz. Wir “Flachländler” können stolz sein: Caroline schafft 52,17 km, Nick 77,50 km und ich fliege meine persönliche Bestleistung mit 77,70 km. Na jetzt haben wir allen Grund die Piloten-Party im Weingut zu feiern.

Samstag, der 3. und letzte Task, 17.03.2012

der 3. Task wurde 10 Minuten später noch mal anspruchsvoller über`s Flachland gelegt

Mir tun Arme und Rücken höllisch weh und die Vorstellung, mich in den Drachen zu hängen “schmerzt”. Der Task ist ausgegeben: 95,2 km, Basishöhe 1000 m (die sich zumGlück so gar nicht bestätigt, wir hatten bis 18000 m) sowie einige Strecken über das Flachland und über die Hügelkette im Süden. Verdammt anspruchsvoll. Auch die Starts.  Ein Piloten-Fehlstart, der zum Glück gut ausging und viele “hingebastelte” Starts. Wir überlegen, ob wir in die Luft gehen. Ich trau michund wie schon die Tage davor ist der Startvorgang gut. Schwierig ist es gegen den starken Wind anzukommen. Mit dem Turmdrachen schein ich doppelt so lang zu brauchen. Dreh ich auf 1400-1500 m flieg ich kaum gegen den starken Wind an. Also liegt meine “Rennhöhe” zwischen 950 und 1200 m und mit fast 60 ° gestelltem Vorhaltewinkel zum Grat . Mit dieser schaff ich heut  insgesamt 84,69 km. Nick landet bei 81,31 km, Caroline bei 66,44 km. Was für eine Leistung. Wir haben erfolgreich die Flachlandnasen in den Bergwind gehalten und die Berliner Flagge gezeigt. Tagesbeste werden: Thomas Weissenberger, Primoz Gricar, Christian Ciech, beste Frau Carole Tobler.

Die Siegerehrung am Abend:

Obenauf stehen…
bei den Männern: 1. Christian Ciech, 2. Thomas Weissenberger, 3. Christian Zehetmair
bei den Frauen: 1. Carole Tobler, 2. Christine Aichner, 3. Katharina Dressel

das Fliegen können wir nicht lassen

Morgen vormittag geht`s nach Hause und wir nehmen mit: tolle Gespräche, neue Kontakte, super Organisation (Dickes Lob und Dank an der Stelle für die Organisatoren und Veranstalter) viel Neues  zu Wettkampf- und Bergfliegen, Talwinden und vor allem bestätigten Mut. Nächstes Jahr sind wir wieder dabei!