Start-Starrflügler-El-Bosqu

Los geht`s aus dem tiefverschneiten Berlin mit easyJet und leichtem Gepäck. Die Drachen bekommen wir (Volkmar, Bernd und ich) von Juaki, dem hiesigen Local vor Ort bzw. ich einen kleinen KPL über Thomas. Das Wetter sagt 4 Tage Regen voraus, aber in Andalusien ist alles anders und besser.

1. Task – El Bosque – 44 km

Sierra Margarita, Landeplatz El Bosque, Sierra Margarita, Sierra de la Silla, Hotel Sierra de Cádiz und Goal in El Bosque. 31 Piloten aus Spanien, Frankreich, Portugal und Deutschland stehen am Start. Der Wind bläst kräftig aus West.  Optimal, aber der Startplatz ist tricky. Die vorgelagerten Bäume schaffen einen Mini-Rotor. Wer hier lauffaul ist, hat Mühe sicher rauszukommen. Fast jeder Drachen sackt kurz nach dem Abheben ein Stück durch. Kommen hier Seitenwindkomponente oder Böen dazu, wird der Startplatz unberechenbar, jedenfalls für Ungeübte. Der KPL fühlt sich gut an. Das Trapez ist klein und die 30 kg tragbar. Ungewöhnlich nur das wackelige Ausrichten. Der Start ist mit 15 Grad gezogenen Klappen gut. Die Aufregung lässt mich den KPL viel zu schnell fliegen und so dauert`s, bis ich die Höhen der Wettbewerbspiloten erreiche. Endlich auf Strecke verpeile ich den richtigen Weg und komme kaum noch gegen den Wind an. Nach 1050 m (Basishöhe) geht`s nun wie im Fahrstuhl runter. Mir bleiben 2 Alternativen: Toplanden auf dem Berghügel vis a vis mit ansprechender Wiese oder die kleine unebene Hügelkuppe rechts. Ich nehm den Berg, doch die Kuppe verschwindet bei starken Gegenwind über mir und ich lande das erste Mal zum Hang, 35 Grad geneigt. Da zittern trotz guter Landung nicht nur meine Arme. In den „Fahrstuhl steigen“ drei weitere Piloten. Am Ende heißt es 1 km Drachenschleppen und vor den Stieren weichen. Volkmar geht es gescheiter an. Er schafft beide  Wenden. Nach Sierra Margarita spülts aber auch ihn auf einen Hang runter. Adoulfo Fernandez kommt ins Ziel und gewinnt den Task als Flexibler. Carlos Puñet mit dem Starren.

2. Task – Harte “Kerle” oder einfach nur verrückt?

Diente der erste Tag dafür den Drachen kennen zu lernen, soll es der 2. Tag nun bringen. Wind 25 km/h aus SW, der im Laufe des Tages kräftig auffrischt. Wolkenbasis 1000 m.  Die Aufgabe wird mit 53 km gesetzt. Raus aus dem Startzylinder, den Landeplatz überfliegen, Stierhalle el Bosque, Sierra de la Silla im Süden dann nach Norden Richtung Algodonales und Goal in El Coronil. Nachdem wir uns die Hälfte der Starts angesehen haben, gibt es nur eine Entscheidung. Wir bauen ab. Jeder gestartete Pilot hinterlässt Erleichterung. Erleichterung, dass er irgendwie rausgekommen ist. Bernd kann zwar den neuen Drachen heut nicht testen, aber wir haben Zeit den Landeplatz in el Bosque anzuschauen. Landungen werden hier zum andalusischen Gütesiegel. Die Wiese besteht aus drei Hügeln. Auf dem ersten landen die Besten, auf dem zweiten die guten Piloten und auf dem dritten der Rest. Ich lande keinen der drei Tage dort. Die Landungen die wir sehen, sind bei Böen von 60 km/h spektakulär. Ins Ziel kommt keiner. Die Tagesbesten werden Adoulfo, der nach 17 km zwischen Coripe und Moron landet sowie Carlos und Juaki, die bei Puerto Serrano runter gehen.

3. Task

Algodonales
Das Wetter passt. Die morgendlichen Regenschauer stören nicht. Wir wissen, dass es in 1 Stunde anders aussehen wird. Erst einmal entspannt das Frühstück auf der überdachten Terasse genießen: cafe con leche, Orangensaft, und Tomatencreme-Olivenöl-Toast. Bernd und Volkmar sind gesundheitlich angeschlagen und fliegen nicht. Für mich bedeutet das vollste Unterstützung am Start.

Algodonales – ein neues Fluggebiet mit hoffentlich mehr Landeplätzen. Das Hinkommen gestaltet sich schwierig. Durch die Regenmassen der letzten Wochen sind die Bäche angeschwollen. Einer davon überspült unsere Straße. Der Drachentransport fährt durch, wir müssen mit unserer Touristenkarre umdrehen. Endlich am Startplatz (800 m) wird grad wieder eingepackt. Mit Blick auf die Hügel und fehlenden Landeflächen bräuchte es eine gewaltige Portion Verrücktheit, wettbewerbstechnisch hier zu starten, die die spanischen Piloten wohl haben. Ich nicht. Zurück nach El Bosque muss es nun schnell gehen. 16.00 Uhr Briefing, 16.30 Uhr ist das Fenster offen. Ich komme 16.45 Uhr raus und drehe zügig auf. Jetzt kann ich endlich den Drachen genießen. 11 m² – der KPL (Aeros) geht flott in die Kurve. Ich brauch nur wenig Kraft und hab Zeit das Drumherum wahrzunehmen. Das ist gewaltig. Neben, unter und über mir Geier. 9 Exemlare mit beeindruckenden Schwingen. Wir Drachenflieger scheinen sie nicht zu beeindrucken. Gelassen kreisen sie im gleichen Bart oder zeigen den besten Weg. Schwierig wird`s weil die Zeit davon läuft. Mittlerweile ist die Basis bei 900 m. Ich schaffe die ersten beiden Wendepunkte und zurück zum Berg um wieder aufzudrehen. 3 Anläufe später bin ich mit maximaler Basishöhe auf dem Weg nach Sierra. Aber meine Höhenmeter schwinden und Landeflächen vor mir sind nicht in Sicht. Unter mir eine Wiese mit Stieren, da riskier ich nichts. Ich kehr um und gesell mich zu Niko, der auf einer für Spanier “perfekten” Wiese steht. Weit sind heut die wenigsten geflogen. Zu spät am Tag ging es los.

Abends sitzen wir glücklich bei Tapas und Wein, denn der Blick auf das Europawetter zaubert nach jedem gewonnenen Flugkilometer ein breiteres „Grinsen“ ins Gesicht. Und deshalb: Danke an Juaki, der das Ganze wieder prima organisiert hat! Und danke an die spanischen Piloten für die verdammt schöne Zeit :-)