Startplatz Liak

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Fotos: Katharina Dressel, Stefan Boller, Caroline Greiser

Montag, 8. MärzIMG_9027

(Line)

Die Mädels vom Team Berlin machen sich auf den Weg… mit Handtasche… wie sich das gehört für Damen :)

 

Dienstag, 9. März

(Katharina)Lentis über Manche

Da ist sie wieder die Bora. Der Morgen begrüßt uns mit gebürsteten Lentis und herrlichem Sonnenschein. Unser Einflugtag wird flugs zum Wander-Klettertag erklärt, was sich für die nächsten Tage mit einem gehörigen Muskelkater rächt.

 

Drachenflieger auf dem Trocken

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 1. Task

(Katharina)

Die Bora will nicht wirklich verwehen und so bleibt uns nur der Start vom Liak. Geschützt gegen den Nordwind, der heut deutlich schwächer ist, stehen 51 Piloten am Startplatz. Die Aufgabe wird nicht zu groß gelegt da wir gegen 17.00 eine  Front erwarten. 48 km entlang der Ridge mit Goal Landeplatz Pizzeria Anja. Der Wind weht gegen mittag aus Südwest, die Basis reicht bis 1200m hoch und es ist mühsam aufzudrehen. Viele schaffen es den Grat leicht zu überhöhen und ziehen dann mutig zum ersten Wendepunkt. Für 17 Piloten reicht es nur von: a) direkt zum Landeplatz fliegen, b) bis hin zum 1. Wendepunkt oder c) sogar zum Landeplatz zurück, alles Minimumdistanz. IMG_9033Für uns Berliner auch. 22 Piloten verteilen sich entlang der Taskstrecke auf den Wiesen, fünf Piloten schaffen es ins Ziel. Punkt 17.00 Uhr greift die Bora durch und die letzten Lander haben Mühe ihre Drachen auf den Boden zu bekommen. Am Ende gewinnt Primož Gričar (SLO) mit 13 Sekunden Vorsprung vor Elio Cataldi (ITA) und Anton Moroder (ITA) den Task.

 

Donnerstag, 2. Tag

(Katharina)

Vorausgesagt sind 30 km/h Nordostwind. Leider bestätigt sich das. Der Task wird gecancelt. Leander geht Bogenschießen, Andy, Thomas und Stefan schaun sich die Postojna Cave an und Line und ich machen eher einen ruhigen mit arbeiten am Rechner oder Lesen windgeschützt in den Weinbergen.

Freitag, 3. Tag und 2. geflogener Task

(Katharina)

Die Voraussagen sind prima und alle “scharren” mit den Flügeln. Basishöhen bis 2500m, Südwest-Wind, leicht bewölkt. Der Task wird mit 77km festgelegt. Start ab 13.00 Uhr, Startgate 14.00 und 14.20 Uhr…

(Line)

Der Startzylinder lag draußen im Tal, wo wir unter der Wolk warten konnten. Ich bin zur ersten Startzeit mit dem Pulk Richtung 1. Wende aufgebrochen, erreiche diese schon deutlich später und werde dann spätestens beim Race entlang der Ridge abgehängt. Macht nix, man kann weit gucken heute und ich beobachte solange es geht die anderen und merke mir die Stellen, wo die Drachen steigen. Am Ende der Ridge bei Ajdovscina muss das große Tal Richtung Südwesten gequert werden, was ich mit 2100 m Abflughöhe bewältige. Noch immer sind mir die langen Gleitstrecken unheimlich: Minutenlanges Nichtstunkönnen und dem Sinkton des Varios lauschen. Bei der Querung zurück will ich möglichst schnell und sicher wieder an den Lijak heran und plane deswegen einen Umweg ein. Über der Talmitte endlich rettendes Steigen, und endlich wieder Gesellschaft: Leander und Thomas Schreck. Wir „jungen Wilden“ sind etwas zu ungeduldig: Leander und ich fliegen zu tief ab, womit unser Schicksal für diesen Task besiegelt ist. Leander gleitet noch Richtung nächster Wende aus, während ich mich an den Lijak rette und noch fast eine Stunde knapp über Grat herumschüssel. Startplatz LiakThomas hat die Thermik brav ausgekurbelt und ist dann diagonal direkt zur Wende geflogen. Stefan ist inzwischen im Goal, leistet mir am Lijak aber noch ein bisschen Gesellschaft. Ich fliege das erste Mal mit Funk und obwohl es nicht mehr richtig hoch geht, können wir uns zumindest noch gemeinsam über das schööööne Licht der tiefstehenden Sonne freuen :) Wie vorgeschrieben landen wir dann nach über 3 Stunden Fliegen um 17 Uhr am Hauptlandeplatz. Leider muss ich Konrad Schwab wieder enttäuschen: Nein, ich bin nicht im Goal, aber ich hab meinen Flug genossen, die schneebedeckten Berge und die Adria wahrgenommen und bin mit meiner Leistung zufrieden. Es gab eine ganze Menge Piloten im Ziel, aber das kann man auf der offiziellen Wettkampf-Seite nachlesen: http://hg.sffa.org/aeros_wr/index.php/en/results-show

Abends treffen wir uns alle zum Piloten-Dinner in der Pizzeria Anja – nicht wie sonst auf dem Weingut, was zumindest uns eine lange Fahrerei am Abend erspart. Katharina und Konrad glänzen auf der Tanzfläche, ansonsten fehlt den meisten der Party-Enthusiasmus: es war ein anstrengender Tag und morgen sieht gut aus!

 

 

 Samstag, Tag 4, Task 3

(Line)

Der Wecker klingelt,  ich krieche aus dem Bett und humpel ins Bad. Mein Rücken tut höllisch weh und ich kann meine Arme nicht mehr heben – die üblichen Symptome nach dem ersten „richtigen“ Flug nach dem Winter.

Wetter ist auf kippe, wieder droht der Nordwind, Stefan und ich packen schon mal prophylaktisch das Auto und checken aus. Sollte der Task gecancelt werden, wollen wir gleich weiter. Wird er aber nicht. Murphy funktioniert noch immer zuverlässig :o)

Wir starten erneut am Lijak. Auch gut, inzwischen hat man schon fast Routine, hat seinen Aufbauplatz und kennt den Start. Man kommt langsam wieder rein. Die Packsachen haben ihren Standardplatz im Gurtzeug, GPS-Programmierung verläuft nahezu reibungslos, selbst der “pre-flight-piss” wird mit mehr Ruhe durchgeführt – und doch klopft mir kurz vor’m Start das Herz jedes Mal bis zum Hals und ich bin in den letzten 10 min nicht mehr ansprechbar.DSC06480

Der Wind hat sich beruhigt und wir bekommen einen 66km Task mit 4 dicken Talquerungen. Vor uns starten heute auch eine Menge Gleitschirme – es ist Wochenende.

Da ich rechtzeitig starte, komme ich selbst mit etwas verpeiltem Kreisen (wir müssen heute links drehen –  bäh) noch rechtzeitig an der Basis an und mache mich mit Katharina gemeinsam auf zum Startzylinder, wo wir unter der Wolke warten. Heute ist es kalt. Über der gesamten Hauptkette vom Lijak und dem Hinterland hängt eine geschlossene Wolkendecke, aus der es am späten Nachmittag auch örtlich schneit. Nach dem Startschuss queren wir das Tal zum ersten Mal. Ungefähr auf der Hälfte nehme ich in ein paar Kreisen etwas Steigen mit, immerhin muss ich mit meiner „Motte“ etwas defensiver fliegen, komme dementsprechend mit guter Höhe an der ersten Wende auf der anderen Seite an und … ja so kann ich jetzt immer weiter erzählen…DSC06448

egal, ich hab wieder Leander getroffen, der mir diesmal davon gezischt ist, sodass ich wieder die meiste Zeit allein fliege. Stefan im Funk: „Beiß dich durch, nicht aufgeben“ – das ist mein Mantra, und so fliege ich wieder bis zur 17-Uhr-Deadline, und verpasse damit knapp die letzte Wende. Ich lande auf einer Mikro-Wiese, die „Semo“ (Georg Schweier) ausgesucht hat und purzel vor seiner laufenden Kamera über den Rasen. Aber auch die Grasflecken auf den Knien können meinen Enthusiasmus nicht bremsen. Mir tut alles weh, ich bin komplett durchgefroren, dehydriert und totmüde. Ist schon verrückt, was einen so glücklich macht im Leben :)

Stefan sammle ich auf dem Weg zur Headquarter-Anja am Ajdovsjina-Segelflugplatz ein. Nach Sonneneuntergang hat er sich in sein Gurtzeug “gekuschelt”, wäre sonst vermutlich auch tragisch erfroren. Mit der Bora ist nicht zu spaßen – auch nicht am Boden!

Erst einmal müssen wir den Gleitschirmen in die Luft helfen, damit der Aufbauplatz frei wird

Erst einmal müssen wir den Gleitschirmen in die Luft helfen, damit der Aufbauplatz frei wird

Ohne Dusche beklatschen wir die Sieger am selben Abend und beschließen entgegen des „Führungs-Pulks“ einfach noch eine Nacht da zu bleiben und noch nicht sofort abzureisen.

Der harte Kern von Team Deutschland (Katharina, Leander, Thomas Schreck, Stefan Boller, Line) sitzt noch lange beim Wein und lässt einen gelungenen Wettkampf genüsslich ausklingen.