ne Menge Drachen

Die Schweiz – Ein ewig weiter Weg . Aber der Gedanke Carole (Tobler) und die anderen Drachenfliegerinnen wiederzutreffen, überzeugt die Kilometer in Angriff zu nehmen. Nach 10 Stunden Fahrt, das Zelt schnell hingeworfen und ins Bett, damit der erste Wettkampftag frisch angegangen wird.

 

Startplatz Eggli

Tag 1 mit biestiger Bise – 24.05.

100 Piloten, 100 Drachen und ein 1600 m hoher Startberg. Eine Leistung das zu koordinieren. Die letzten Meter mit der roten 4-Mann-Bahn an den Start. Passt der Wind oder nicht? Die Bise frischt auf und beschert uns fast lanzarotische Verhältnisse, gut startbar, aber die Basis will einfach nicht ansteigen. Nach langem Warten heißt es Freifliegen. Der Task ist gecancelt und ich fühle mich nicht nur durch den Wind an meine “Bruchlandung” auf Lanzarote erinnert. Starte ich oder nicht? In der Luft bin ich glücklich… Blick auf die Bergkuppen…das “Task-gecancelt-Trauma” ist aus dem Kopf und ich genieße einfach nur die Schweizer Höhenluft. Das Landen klappt perfekt, auch wenn ich`s nicht bis zum eigentlichen Landeplatz schaffe. Die Menge an Kabeln die irgendwo und überall von fast jeder Alm kommen, flößen Respekt ein und verhindern das ein und andere Mal die Bergaufwinde zu nutzen.

Foto: Bruno Feurer

 Task 2 – Startplatz Eggli - 25.05.

Wieder das gleiche Spiel – kleine Bahn auf großen Hügel. Der Himmel sieht perfekt aus. Bise, also Wind von Nord dafür sehr viel weniger. Der Task geht bei Basishöhen um 2000-2200 mit ca 67 km das Tal quer und rauf und runter an 7 Bojen vorbei. Ich starte recht spät – zu spät…An Aufwinden finde ich nichts Gescheits, dafür Abschattungen, Kabel und ein ganz passables Landefeld bei Wolfenschiessen. Frustriert kämpfe ich darum meinen Kampfgeist nicht zu verlieren. 27 Piloten die abgleiten rücken meine Stimmung wieder in Relation. Es war einfach ein verdammt schwerer Tag in unbekanntem Fluggebiet. Die mit hartem Biss und einem Quentchen Glück kommen ins Ziel: 9 Starre fast nur Schweizer (Jochen Zeyher als erster Deutscher ist 9.) und 24 Flexible (Roland Wöhrle 8., Christian Zehetmair 13. und Hans Kiefinger 14.) Francoise (FRA) schafft 17 km, Natalia (RUS) 13 , Carole 11 (SUI), Christa, Julia (UKR) und ich bleiben in der Minimumdistanz.

Task 3 – Rote Bahn, Bise und alles auf Anfang – 26.05.

Rote 4-Mann-Gondel zum Eggli

Eggli nun schon vertraut, wenn auch diesmal mit Start nach Süd. Die erste Boje geht raus aus dem Tal: Interlaken, dann Engelbert, NordOstseite Vierwaldstättersee und Landeplatz. Das gibt ein hunderter Dreieck mit imposanter Sicht. Für mich leider nicht. Zum 3. mal spült es mich nach anfänglich gutem Aufdrehen am Hörnli auf den Wolfenschiessener Landeplatz. Diesmal bin ich vorbereitet. Ein Buch im Gurt und ein Bad im Fluß lassen mich die Landung gelassen sehen. Natalia fliegt Klasse, fast 100 km und damit knapp am Ziel, Julia kommt auf 40 km, Carole auf 13, Francoise, Christa und ich verteilen uns unter 10 km. “Bin ich froh, dass ihr nicht zur ersten Boje gekommen seid” – Mag die  Aussage von Hans im ersten Augenblick irritieren, steht sie doch klar für diesen Tag und für seine Erleichterung. Die Thermik war extrem ruppik, meist nur im Lee zu finden und nicht ohne. Ein Starrer kommt am Retter runter, eine Landung führt zu Prellungen und eine zu Geräteschäden. Fast kann ich froh sein, den Ächerlipass oder heißts Wizzli oder Dürrenboden? nicht bezwungen zu haben.

Task 4 – Haldigratbahn und Rückenwind -27.05.

7.00 Uhr Auffahrt – Man muss verrückt auf Fliegen sein. Der erste Stau am Alpboden. 105 Drachen reisen solo oder jeweils zu sechst auf den Haldigrat. Das braucht und leider spielt die Bise verrückt. “Task gecancelt” lässt uns Zeit Latte zu trinken (5,50 Franken…puh!), Drachen umzutragen und halbwegs startbaren Wind auf der Nord- oder Südrampe zu finden. “Katharina Dressel aus Deutschland nimmt die lange Zielgerade…” Diesmal treff ich den offiziellen Landeplatz und mit “…ins Goal” wäre der Tag perfekt.

Task 5 – Auch Profis “saufen”  – 28.05.

Foto: Bruno Feurer

Erst geht`s hoch (Haldigrat) und für manche bald wieder runter. Nach dem Start lässt es sich gut bis zur Basis (2500 m ) aufdrehen. Optimistisch starte ich über das Tal: “Diesmal knack ich dich!” Doch die westliche Talseite ist ernüchternd.  Der Compat vor mir fliegt über Dürrenboden, ich nicht. Mein Turmdrachen zeigt wo die Grenzen sind. Mühsam und mit Leethermik kämpf ich mich überm Wirzweligrat erneut auf 2200 m hoch. Aber Richtung Dürreboden wird die Thermik dürftig, die Abschattungen groß und die Höhenmeter schwinden. Mit Respekt vor den Kabeln und dem Lee kehr ich um. Nach 3 Stunden Flug, 5 “Angriffen” am Ächerli, gefühlten 20 Bärten und  Nullschieber “schieben” im Tal geh ich landen. Die meisten nehmen die Hürde Ächerli locker, kämpfen hinter dem Melchtal aber mit Abwinden. Unweit der ersten Boje saufen 38 Flexible und 2 Starre ab. Nach 91 km kommen 7 Starre und 11 Flexible ins Ziel – Respekt!

Foto: Bruno Feurer

Siegerehrung am Abend:

Flexible (M): 1. Boisselier Antoine (FRA) | 2. Ploner Alessandro (ITA) | 3. Bircher Fredy (SUI) | 9. Christian Zehetmair (GER) | 10. Joerg Bajewski (GER) | 11. Hans Kiefinger (GER) | 13. Stefan Boller (GER)

Flexible(F):1. Natalie Petrova (RUS) | 2. Julia Burlachenko (UKR) | (3. Francoise Dieuzeide-Banet (FRA)) (4.) 3. Carole Tobler (SUI) | (5.) 4. Christa Aichner (GER) | (6.) 5. Katharina Dressel (GER)

Starre: 1. Arnold Nadlinger (AUT) | 2. Michael Huppert (SUI) | 3. Christoph Raible (SUI) | 6. Dieter Müglich (GER) | 8. Jochen Zeyher (GER)

Foto: Bruno Feurer

Danke nach Stans für die super Organisation!

Riesen Dank an all die Piloten, die Natalia, Julia und mir finanziell “unter die Flügel gegriffen” haben!

 

Ein bisschen Statistik, die nachdenklich stimmt und animieren kann, fliegende Frauen zu unterstützen :-)

Frauen=7
Männer=99
(Flexible =85 | Starre=21)

und nach Ländern: CH=65, D=19, I=10, A=14, F=10, UA=5, SLO=1, E=2, TU=4, LI=1, USA=1