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Mit 4/8 Bewölkung und herrlichen Cumuli am Himmel gehen wir am Mittwoch Richtung Süden auf die Reise . Hinter München schwant uns nichts Gutes: Regen, Schnee, 2 Grad. King Ludwig Open  – Ist der Name Programm?

 

 

Der 1. Task, 17. Mai 

Gibts ein schöneres Erwachen? Die Sonne strahlt, tiefverschneite Berge und erste Wolken am Himmel. Nichts wie hoch. Aber einfach wird es nicht: Drachenaufbau im tiefen Schnee, Rampe freischaufeln und die Wartezeiten zwischen den Starts ziehen sich. Wind von hinten, Wind von der Seite, Nullwind… “Lauf, Lauf Lauf” …jeder rennt unter befeuernden Rufen die Rampe bis ganz zum Ende durch und ist froh, wenn der Drachen endlich trägt. Die Strecke wird bei NordWest Wind drehend auf Ost vom Pilotencommitee an den Alpenrand gelegt: 72 km für die Flexiblen, 80 km für die Starren. Neues Fluggebiet, 1. Wettkampftag – schon fast mit Tradition kann ich keine Strecke reißen, Thermik finde ich nur im Lee und entsprechend turbulent. Ich hab einfach keine Kraft um lang drin zu bleiben. Mit 1750 m fliege ich ab Richtung 1. Wende. Die Höhe schwindet und ich flieg an der Wende vorbei ins Flache. 15 Minuten mühsames Kreisen bringen nur wenige Meter und führen letztendlich zum Landen. Drei Piloten stehen schon dort, weitere folgen in kurzen Abständen. Dem über den Buchenberg fließenden Wind kann in niedriger Höhe keiner entkommen. Andere haben eine bessere Taktik, bessere Höhen, besseres Können. 7 Flexible und 4 Starre kommen ins Ziel. Roland Wöhrle wird Erster, Corinna Schwiegershausen als beste Frau 5. und bei den Starren ist Dieter Müglich der Schnellste.

18. Mai – Den Tegelberg auf Sohlen bezwingen

Mein Handy smst: “07:44  KLO 2012 Task committee meeting 8:30 at HQ. We will decide what we do today. New SMS then, please stay tuned. Dieter”

Fliegen werden wir nicht, also Plan B! Dieter Münchmaier und ich beschließen etwas “Spazieren” zu gehen. Die Schlucht hinauf bis Schloß Neuschwanstein. Gemütlich? Nach den ersten Schritten kann davon keine Rede sein. Dieter läuft zügigen Schrittes los und ich muss sehen, dass ich dran bleibe. Japaner wohin das Auge sieht. Da laufen wir noch ein Stück und dann irgendwie immer weiter. Nach 3 Stunden steilen Weges und durch Schnee ist der Tegelberg geschafft. Das erste Radler und die letzte Bahn – einfach ein perfekter Tag, wenn`s Wettkampffliegen nicht geht.

Der 2. Task,  19. Mai - “Auch ich muss Lehrgeld zahlen”

Es wird wohl ein früher Tag. Briefing 11.00 Uhr. Der Schnee taut,  die Thermik verspricht gut zu werden, Basis 2200 m. Leider bläst der Wind von Süd. Mit den ersten thermischen Entwicklungen kommt startbarer Wind auf und die Piloten nutzen die Nord- oder Ostrampe. Beide gehen mal besser mal schlechter. Optimal sind die Startbedingungen nicht. Die Chancen stehen für mich nicht schlecht. Das Gros der Piloten wartet noch auf den “Startschuss” in der Luft. Von der Ostrampe flieg ich zügig Richtung Säuling, dreh über Neuschwanstein und schließe mit dem Pulk auf. Schnell kann ich Höhe machen und halten, aber die Menge an Drachen ist beängstigend. Zu Recht! Ein Brüller hier, ein unter mir aufschießender Drachen dort. Rabiat zieh ich meinen Drachen über den linken Flügel um den Zusammenstoß zu vermeiden. Ein mulmiges Gefühl bleibt, an mancher Stelle nicht alles richtig gemacht zu haben. Das Losziehen der Drachen hab ich verpasst. Nick mit seinem Guggenmos ist der einzige vor mir. Das unlandbare Stück um und hinter Füssen im Blick, lass ich ihn ziehen und umrunde  südlich den See. Ganz klar die falsche Taktik. Mich erwartet Saufen…2050 m Höhe vernichtet mein Turmdrachen im “vorbeifliegen” und die anvisierte Hügelkette rückt in unerreichbare Ferne. Eine zäher Bart in der Mitte des Tals reißt mich noch mal raus. Ich dreh auf 1500 m und fliege selbstsicher erneut auf die Hügel zu. “Das gibt`s doch nicht!” Der Horizont der Hügelkette rückt näher und dann über mich. Das thermisch ach so gute  Zementwerk schwindet aus meinem Blick und ich verabschiede mich vom Task. Dietrich kommt für den Tag weit. Bei Nesselwang muss aber auch er vor der Regenfront landen gehen. Nick wird in Pfronten von Henry abgeholt. Er hat`s nördlich über die Hügel geschafft, die sich mir in den Weg legten.

Und nun heißt`s Lehrgeld zollen…

Der Gang zum Partyzelt fällt schwer. Der Brüller liegt schwer im Magen und ich frag mich, welcher Pilot wird`s sein der mir die Leviten liest? Es ist Jörg. Ganz zu Recht hat er mich “angebrüllt”. Ich habe die Situation in der Luft nicht wirklich realisiert. Wir sind uns nah gekommen, zum Glück hat er richtig reagiert. An der Stelle wirklich großen Dank für das sensible Erklären und den feinfühligen Umgang. Noch mal wird mir das nicht passieren. Was mein selbst auferlegtes Lehrgeld sein wird? Den Kern der geführten Gespräche über das Pulkfliegen filtern, die ungeschriebenen Wettkampfregeln extrahieren und veröffentlichen, damit Wettkampfeinsteiger wissen wie sie sich verhalten müssen. Mir war das im Detail so nicht klar.

Siegerehrung am Sonntag

Ehrlich gesagt bin ich stolz auf uns Frauen. Corinna ist die 3. in der Gesamtwertung der German open und Deutsche Meisterin. Natalia Petrova (RU) 10. und Iuliia Burlachenko (UKR) 24. Gratulation! Ich komme auf Platz 29 und bin viele Erfahrungen reicher. Bei den Berlinern ist Dietrich Brockhagen ganz vorn. Er wird 14., Nick Kuschmiers 28. und Henry Maek 29. Nicht schlecht für uns Flachländler.

Alle Ergebnisse unter www.dhv.de

Danke an die Organisatoren, die Stadt Schwangau, die Lokals, das DHV Team und Rebekka Speckenheuer für die Auswertung. Toll war`s und besser hätt`s nicht sein können.